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Bad As Me

Thomas Steiner von der BZ hatte mich zunächst nur nach meiner Meinung gefragt, später dann vorgeschlagen, diese Meinung doch einfach als Besprechung für die neue Platte abzudrucken....

Das fand nur bedingt meine Begeisterung, schließlich stimmte ich zu - nicht zuletzt, weil ich zu anderen Themen durchaus und gerne mal was schreiben würde...  ;-)

Nun also hier der ursprüngliche (und ungekürzte) Artikel. (Thomas fand offensichtlich den Captain Beefheart Vergleich zu heikel, oder zu speziell, oder sonst was....der erschien nämlich nicht...)

Zur neuen Platte von Tom Waits

 
Das Problem ist derzeit wohl, daß nach seinem 60. und den frisch erschienenen Biographien nun jede Neuerscheinung in den Zusammenhang mit dem Gesamt Oevre gestellt wird....und was soll ich sagen: Auch ich kann mich dagegen nicht wehren.
Das macht es aber schwierig, denn für mich ist "Bone Machine" das Nonplusultra. Gar nicht mal unbedingt mein Lieblingsalbum, aber eben das konsequent/perfekt/extremste. "Bone Machine" läuft wohl selten an Sonntag Nachmittagen in Wohnzimmern in der Wiehre; bis zu diesem Album sehe ich Tom Waits gerne als Captain Beefheart für Studienrätinnen. Mit Verlaub: Ich finde den Mann schon richtig gut, aber er badet auch in (kunstfertig produzierten) Klischees. "Bone Machine" kommt aber plötzlich ohne diese Seefahrerromantik aus: Da verbirgt sich hinter einer harten Schale ein glasharter Kern! Alles, was ich danach von ihm gehört habe (darunter ja fraglos tolle Sachen), klingt für mich dennoch wie ein Schritt auf dem Weg hin zu Bone Machine, nicht wie eine Weiterentwicklung. Man könnte auch sagen, ein Schritt zurück.
"Bad As Me" ist da sicher sogar ein sehr großer Schritt zurück, denn abgesehen von der "Tex-Mex Gitarre" sind die anderen Klang Bausteine ja durchweg schon in seinen 70/80er Werken zu finden. Diese typische Tom Waits-Percussion mit Metallstangen und Reibeisen, die Heilsarmee-Bläsersätze, die Baritonsaxofon Riffs, das out of tune - barpiano, schließlich auch die omnipräsente Stimme: Vereinzelt mal ein kleiner Schlenker, eine kleine Färbung, die ich so nicht erinnere, aber im großen und ganzen auch hier: bewährt und gekonnt, nicht auf der Suche. Am "risikoreichsten" ist sicher noch "Talking At The Same Time": Waits läßt die Kopfstimme für seine Verhältnisse recht wenig gefärbt (von Vibrato-, Luft- und Gurgeleffekten). In "Get Lost" dann ein paar "Elvis - Phrasierungen", die mich zum Schmunzeln bringen... (vor allem wenn ich daran denke, daß mich nun wohl mein Spielpartner Sascha im gemeinsamen Waits Programm mit noch mehr Elvis terrorisieren könnte....)
Nun denn, irgendwie wünsche ich mir bei einer neuen Tom Waits Platte immer, daß er mich mit etwas völlig neuem umhaut, wie er es ja damals mit "Big Time" (nicht chronologisch die erste dieser Art, aber die erste, die ich aus dieser Phase gehört habe) oder eben "Bone Machine" und auch "Nighthawks At The Diner" (die ich erst in den 80ern quasi "rückwärts" entdeckt habe) geschafft hat.
Diese Sucht nach dem immer extremeren bleibt also erneut unbefriedigt, aber:
 
Das ist schon ein schweinegeiles Album: Es klingt für mich wie ein "The very best of 40 years" -- das muß ein Musiker erst mal schaffen ..... mit völlig neuen Stücken -- und eigenen Klischees!
Ich könnte jede Nummer einem anderen Album von Waits zuordnen, und darauf wären sie jeweils ein Knaller. "Kiss Me" wäre ein Schmuckstück auf "Nighthawks..." und "Satiesfied" bräuchte sich auf "Big Time" nicht zu genieren, um nur mal zwei zu den vorgenannten Alben in Beziehung zu bringen.
Ein richtiges "Album-Feeling" will bei mir aber nicht aufkommen, dafür ist es zu incohärent, aber endlich haben wir eine Antwort auf die bislang so schwierige Frage, welches das geeignete Album für "Tom Waits - Einsteiger" sei. Dann müßte nur noch auf dem Cover hinter jedem Stück der Verweis auf das stilistische "Vater-Album" stehen (etwa: Last Leaf - Closing Time, gereift).
 
Durchaus passend in einer Zeit, in der ja kaum noch jemand ein Album mit dem Cover in der Hand hört. Die Stücke hier kann man getrost in die Computerplaylist laden und dann auf random clicken; und zwischen allem, was auch immer dann abgespielt wird, fände ich jedes einzelne von diesen Stücken klasse.  ....Aber eigentlich hatte ich "Bad As Me" schon....  ;-)
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