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Wie die Jungfrau zum Kinde....

Cordoba´s Corso

Nicht alle Begebenheiten, bei denen mich jemand zum gemeinsamen Improvisieren auffordert (und aufgefordert hat), münden hier als "aktuelles Programm". Dafür passiert das doch zu häufig und hat meistens eher sessionhaften Charakter. (Was nicht schlimm sein muß ;-)

Santi (i.e.: Santiago Cordoba, siehe auch "Violentango") ist da aber ein Spezialfall: War ich es doch vor ein paar Jahren, der ihm in einem unserer gemeinsamen Konzerte sein erstes Improvisationsduo abforderte in einem ansonsten durchkomponierten Programm. Im Lauf der Jahre und regelmäßigen Konzerte wurde dieses kleine Trommelduell zum festen Bestandteil der Violentango shows und Santi machte auch selbst zwischen den Stücken und in vergleichsweise "offenen" Teilen immer mehr Klangexperimente, überwiegend mit elektronischen Kleinstgeräten.

Nun, im Jahre 2016, meldet er sich auf einmal mit der Nachricht: Er habe sich (von Buenos Aires aus!) eine Solotour in Europa zusammengebastelt, er würde auch gerne in Freiburg vorbeikommen, und wenn ich wolle, könne ich doch auch ein paar Konzerte mitspielen. Es handele sich allerdings nicht um Tango.

Ja, ich wollte nicht nur, sondern hatte auch über seinen Aufenthalt in Freiburg hinaus ein gewisses Zeitfenster und beschloß, den jungen Mann auf dem größten Teil seiner Tour (drei Wochen) zu begleiten. Ohne zu wissen, was da genau auf mich zukäme, denn das hatte er bewußt mir gegenüber geheim gehalten. 

Als Rache habe ich ihm nun wohl den Einstand seiner SOLO Tour vermasselt, denn nix is mit solo: Beim ersten Konzert fragte er noch vorsichtig, ob ich ihn in den ersten paar Minuten allein lassen könnte (wohl in der Angst, ich würde ihm direkt seine geplanten loops torpedieren), schon beim zweiten Konzert war da keine Rede mehr von.

Seitdem loopt, tüftelt, frickelt nun also Santi im Wechsel zwischen seinen Chaos- und sonstigen Effekten, dann wieder auf Hang und small percussion -- und es ist bezeichnend, daß er sein Hauptinstrument, Cajon, komplett zu Hause gelassen hat. Ich konterkariere das mit sehr handgemachten Sounds, auch mal gimmicks, dann auch Getrommel und tue dabei wenig, was ich nicht schon mal irgenwo zuvor gemacht habe. Nein, das schroedersche Rad erfinde ich hier nicht neu, auch in Rücksicht auf Santi, dem ein -nennen wir es mal: "etwas routinebahaftetes Spiel" derzeit sicher zu Gute kommt. 

Dennoch erstaunlich: Auch Leute, die all diesen Kleinzirkus, den ich veranstalte, technisch schon mal gesehen haben, bemerken das gar nicht (jedenfalls nicht komplett), weil der krass andere Zusammenhang diese ganzen Spieltechniken völlig anders wirken läßt. Hier kommt deutlich Santiago Cordoba ins Spiel: Neben ihm wirkt mein Gewerkel - sonst gerne mit Kinderzimmer, Puppenhaus, oder Überraschung beschrieben - auf einmal als der "ältere Teil", fast schon traditionell: Das Experimentieren findet für den Zuhörer eher auf der Elektroebene statt. Das entspricht zwar nicht exakt dem Zustandekommen dieser Musik (ist es doch Santi, der zumindest bisweilen komponierte Stückfragmente abruft und auch bestimmte Abläufe reproduziert), schafft aber ein auch für mich völlig neues Verhältnis.

Nun ist sie also (fast) vorbei, unsere erste Tour mit einem guten Dutzend Konzerte in fünf Ländern, und es war jeden Abend ein vollständig anderes Konzert. Gut, das werden alle Improvisierer in Anspruch nehmen, allerdings lappte es bei uns durch die verschiedensten Szenen (und Lautstärken): Da waren die Wohnzimmerkonzerte, gerne liedhaft orientiert, in denen sicher auch die argentinische Herkunft der "Stücke" am meisten durchkommt, dann sehr ruhige Kneipenkonzerte mit hohem "Satie-Anteil" (unüberhörbarer Pate von Santis Klavierkompositionen), in den sogenannten Soziokulturellen Zentren wurde es dann gerne mal rockiger, "soundscapiger" und sehr Can - inspiriert, und schließlich mutierte die Sache in Antwerpen auch mal zu einem lupenreinen "Rave". (So heißt das, glaub ich, wenn auf einmal alle anfangen zu tanzen?)

Es wird nicht viele Leute geben, die diese Dinge alle gleichermaßen gut gefunden hätten, so kann man nur hoffen, daß wir bei "Euerm" Konzert -so es dazu kommt- den richtigen "Vibe" spüren.....   ;-)

Bei allem sind wir aber unserem Motto treu geblieben: "Sphärik ohne Esoterik"!

 

Noch vor zwei Wochen hätte ich im Traum nicht daran gedacht, daß dies mal den Status eines echten gemeinsamen Programmes erlangen könnte; nun unterhalten wir uns schon darüber, wann (nicht ob!) es weiter geht.

Und nun, 2017: Voila! Die nächste Tour.....

 

 

 

 

 

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