W.A.I.T.S.
W.A.I.T.S. • Sudhaus, Tübingen
BZ-Interview
Bendiks und Schroeder über ihr neues Duo-Programm „W.A.I.T.S.“
Sascha Bendiks und Schroeder haben schon in so mancher Band zusammen gespielt. Nun treten die Freiburger zu zweit auf und spielen „Waltzes and Innocent Trash Songs“, kurz: W.A.I.T.S.
Oder noch anders gesagt: Der Sänger und Multiinstrumentalist Bendiks und der Schlagzeuger Schroeder präsentierten ein abendfüllendes Tom-Waits-Programm. Premiere ist am Freitag im Freiburger Vorderhaus. Thomas Steiner sprach zuvor mit den beiden.
BZ: Sascha Bendiks, Schroeder, die erste Frage ist eine Frage mit Alliteration ...
Schroeder: (wie aus der Pistole geschossen) Warum Waits?
BZ: ... genau!
Schroeder: Hm. Dazu fällt mir ein, dass Sonny Rollins mal gefragt wurde, warum ein so gigantischer Jazz-Saxophonist wie er ab und zu so Kindermelodien spielt. Seine Antwort war: "Because I can". Das sollte man in Bezug auf Tom Waits als Freiburger Dorfmusikant nicht unbedingt sagen. Aber es trifft den Punkt. Waits war naheliegend, wenn man überlegt, was man zu zweit machen kann.
Sascha Bendiks: Die Frage war in der Tat: Was können wir nehmen, um zu zweit einen Bandsound – einen sehr brüchigen Bandsound – zu basteln. Und einen schönen Abend: Waits hat ja nicht nur Songs gesungen, sondern auch Geschichten vertont.
BZ: Waits passt aber auch gut zu Ihrer Stimme.
Bendiks: Das stand gar nicht im Vordergrund, ich will in dem Programm gar nicht so viel Waits imitieren. Das wäre ja auch langweilig. Es geht eher darum, sich die Songs zu eigen machen, eine eigene Art zu finden, wie ich damit stimmlich umgehe. Und letztendlich gibt einem Waits da eine große Freiheit. Wie immer gilt: Wenn der Song gut ist, kannst du machen damit, was du willst, du kriegst ihn nicht kaputt.
BZ: Es gibt ja viele Werkphasen bei Tom Waits, er hat einiges an musikalischen Stilen benutzt für seine Songs: Barjazz, das Orchestrale, den Noiserock. Wie haben Sie ausgewählt, was Sie interpretieren? Erstmal alle Platten angehört?
Schroeder: Also die Platten kennen wir doch wohl alle! Da muss man ja nicht noch mal von vorne anfangen.
BZ: Ok. Aber haben Sie Lieblingsplatten von Waits?
Bendiks: Ich ja: "Bone Machine".
BZ: Die Krachplatte, die viele Leute unhörbar finden?!
Bendiks: Ich mag die, sie ist so düster, hat aber auch schöne Balladen drauf. "Moderner Blues für Mutige", wie in der Rolling-Stone-Besprechung stand. Aber Waits lässt sich schwer auf eine einzige Lieblingsplatte reduzieren. Wenn man nachdenkt, kommt man auf fünf andere.
BZ: Schroeder, welche steht bei Ihnen oben auf der Liste?
Schroeder: Musikalisch am faszinierendsten, da würde ich zustimmen, ist "Bone Machine". Aber es ist ja mit Platten wie mit dem ersten Mal, deshalb ist "Big Time" mein Favorit. Und dann noch "Nighthawks at the Diner" und "Small Change", da fühle ich mich am wohlsten.
BZ: Zurück zum Programm, wie haben Sie die Stücke denn nun ausgewählt?
Bendiks: Bei vielen Songs weiß ich einfach, dass Schroeder sie gut findet. Anderes haben wir einfach ausprobiert.
Schroeder: Außerdem, mal kritisch angemerkt, Tom Waits ist da ja nicht anders als zum Beispiel Van Morrison, so viele Stücke gibt es ja gar nicht, von Van Morrison ungefähr drei und von Waits ungefähr fünf – in Variationen halt.
Bendiks: Ich erhöhe auf sieben!
BZ: Konkret: Ist "Jockey Full of Bourbon" auf der Liste? Der muss doch sein, oder?
Bendiks: Ja, da kommt man nicht darum herum.
Schroeder: Man käme wohl darum herum. Man bräuchte nur eines von den zwanzig anderen zu nehmen, die genauso klingen...
BZ: "Tom Traubert’s Blues" muss auch sein.
Bendiks: Klar. Es hätte ja auch unsere Prämisse sein können, ein Konzert zu machen und nur die Songs zu spielen, die keiner kennt. Aber das hat uns nicht interessiert. Es geht auch um Songs, die man kennt und die trotzdem nicht abgelutscht sind. "Tom Traubert’s Blues" kann überhaupt nicht abgelutscht werden.
BZ: "Rain Dogs"?
Bendiks: Auch nicht. Der Song gibt uns übrigens eine besonders große Freiheit, mit dem gehen wir sehr offen um. Ich glaube, es dauert eine ganze Weile, bis man ihn erkennt.
BZ: Wie steht es mit der Instrumentiertung? In einer Zwei-Mann-Band kann die ja nicht so üppig sein wie bei Waits.
Bendiks: Wenig Klavier, was bei Waits ja das Hauptinstrument ist, dafür viel Akkordeon, Gitarre – und Schlagzeug.
BZ: Und wie ist mit dem Bühnengebaren? Das bei Waits ja recht ausgeprägt.
Bendiks: Er hat sich da eine Figur zurechtgelegt, die er immer noch spielt: der betrunkene Mann am Klavier, der krude Geschichten erzählt – obwohl er seit langem trocken ist. Wir erzählen auch Geschichten, beide, aber nicht als Betrunkene, und auch auf Deutsch und noch dazu eigene. - Badische Zeitung
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